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Ein Leben in Hingabe

Ein Leben in Hingabe....

klingt ein wenig altmodisch und in unserer Welt nicht sehr erstrebenswert. Sich hingeben erinnert an Unterdrückung und ein Aufgeben seiner Selbst. In alten Zeiten haben sich Frauen ihren Männern hingegeben, Völker ihrem Herrscher.
Diese Zeiten sind doch längst vorbei. Jetzt leben in einer Zeit der Selbstbestimmung und geben uns keiner Autorität mehr hin.
Doch diese Art von Hingabe meine ich auch nicht.
Als ich vor 12 Jahren am Telefon erfuhr, dass mein geliebter Mann und Vater unserer beiden kleinen Kinder an einem Sekundentod vor der S-Bahn verstarb, brach eine Welt in mir zusammen. Viele Jahre wehrte ich mich gegen mein Schicksal indem ich mich als Opfer fühlte. Das Leben hat mir einiges an Aufgaben gegeben, an denen ich wachsen durfte - doch so hab ich das in dem Moment nicht erkennen können.
Wie viele andere, die den Weg der Selbstfindung gehen, war auch ich sehr fasziniert von dem Gedanken, dass wir uns mit unseren Gedanken alle Wünsche erfüllen können.
Bei manchem hat es auch gut geklappt - Parkplätze, Urlaube, eine neue Waschmaschine, wundervolle Kunden und großartige Aufträge und vieles mehr.
Doch was sich mit all diesen erfüllten Wünschen nicht eingestellt hat, war eine tiefe Zufriedenheit. Im Gegenteil, im Laufe der Zeit hatte ich eher das Gefühl, dass ich noch mehr wollte, es schneller gehen sollte und besser, höher, glänzender.
Wie hieß es so schön in Kindertagen? Jeder erfüllte Wunsch zieht Tausende weitere hinterher?
Glücklicherweise hat mich mein Körper darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht um "mehr und besser" geht. Mein Körper hat sich einfach verweigert, indem mich durch ständige Symptome nicht hat weitergehen lassen.
Meiner Natur zufolge hab ich mich natürlich erst mal gewehrt, dagegen angekämpft bis ich irgendwann verstanden habe, dass es hier nur darum geht, alles in meinem Leben so zu akzeptieren wie es ist.
Akzeptanz und völliges Annehmen dessen was ist. Annehmen in Dankbarkeit und Liebe. Das Geschenk erkennen, das dahinter liegt. Denn es liegt immer ein Geschenk hinter jeder Situation, die wir erleben.
Das Leben zieht weiter. Auch nach einem Todesfall, der zwar unser Leben aus den Fugen geraten lässt, doch die Erde dreht sich weiter, die Firma besetzt den Platz mit einem neuen Mitarbeiter, das Internet läuft weiter und die Kassiererin an der Kasse lächelt weiterhin freundlich und wünscht einen guten Tag.
"Alle Phänomene treten nach Art eines Regenbogens auf, und wie Regenbogen sind sie ohne greifbare Existenz" (Khyentse Rinpoche)
Die Ereignisse im Leben kommen und gehen - ziehen an einem vorbei, erscheinen und lösen sich auf.
"Alles fließt" ... dies wussten schon die alten Griechen. Das Leben ist ein Fluß. Der Fluß ist das Sein und was da fließt sind die Ereignisse im Leben.
Sobald wir lernen, dass wir auf diesem Fluß des Lebens alles an uns vorbeiziehen lassen können, den Streit mit unserem Partner, einen Verlust, Ärger und Kummer doch genauso wissen wir dass auch die freudigen und wundervollen Momente genauso vergehen - in diesem Moment geschieht Hingabe.
Hingabe an das Sein und dieses Sein ist der wahre Sinn des Lebens.
Was natürlich nicht bedeutet, dass wir nicht weiterhin Sehnsüchte und Wünsche in unserem Leben haben können, uns weiterhin an unseren Visionen erfreuen, doch dazu schreibe ich nächste Woche mehr.

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